Der geteilte Mantel

erstellt am: 10.11.2011 | von: Marlowe nature | Kategorie(n): Allgemeines

Die Winterzeit ist da und der Kleiderschrank ist (meistens) voll. Ich finde  nicht so wirklich die Zeit und die Lust,  den Schrank zu durchforsten und einen Second Hand Laden zu suchen. Aber ich möchte so gern den neuen Wintermantel von Braintree, lake blue, aussen Wolle, innen pink (!) farbener, kuschliger Biobaumwolljersey.
Da kommt das Kind nach Haus und erzählt aus dem Kindergarten. Von Sankt Martin und dem frierenden Mann. Das Kind meint, es hilft doch eigentlich gar nichts, den Mantel zu teilen, denn dann hat ja jeder nur einen Ärmel, das ist doch dumm, da hat ja keiner was davon. Ich erzähle, dass der Rittermantel vom Sankt Martin doch eigentlich ein großer Umhang war und daher auch geteilt noch sinnvoll ist und dass man es doch heute anders meint: dass wir nämlich teilen und abgeben können, wenn wir etwas haben,  – dass wir damit meist immer noch genug für uns haben und dass wir eben nicht unseren Mantel sinnloserweise in zwei Hälften teilen, sondern unsere Sachen mit anderen teilen sollten, die nicht genug davon haben. Das Kind ist zufrieden und macht gleich Nägel mit Köpfen. Der Kleiderschrank wird inspiziert nach Sachen, die zu klein geworden sind. Dabei fliegt auch der ungeliebte dunkelblaue “Kratzpulli” raus und die Hose, die die Mama so chic findet (besonders zusammen mit dem “Kratzpulli”). Aber egal, die “heilige” Beseeltheit soll nicht gestört werden. Danach: auffordernder Blick. Großer Seufzer bei mir. Okay, dann eben jetzt und hier – ich öffne meinen Schrank und fange an zu sortieren. In kürzester Zeit sind wir umgeben von Kleidungsstücken. Dabei finden sich lang vermisste “Lieblings – Schätzchen”, Sachen, von denen ich gar nicht mehr wissen will, warum ich sie je gekauft habe und zum Glück ziemlich viel Brauchbares. Das Kind macht mit: wir probieren, kombinieren, sortieren, geraten ins Schwitzen und haben zum Schluss einen Haufen Aussortiertes vor uns, dass nun geteilt werden soll.
Aber wohin damit? Das Kind macht runde Augen. Zum Glück kenn ich mich aus. Da gibt es die Oxfam – Läden, die Sachen annehmen, second hand verkaufen und den Erlös Bedürftigen zukommen lassen und die Kleiderkammern der verschiedenen Städte und Gemeinden, die die guten und brauchbaren Sachen direkt verteilen.
In Hamburg gibt es mehrere Oxfam – Läden, die ich schnell mal recherchiere. Wir legen also alle sauberen Sachen sorgfältig zusammen, das Kind verabschiedet sich erleichtert vom Kratzpulli – ich weiss noch nicht genau, wie ich das der Oma erklären soll, die den Pulli gesponsert hat und vielleicht für Heilige jeder Art nicht so viel übrig hat, jedenfalls nicht, wenn es das von ihr “sauer verdiente Geld” betrifft, packen sie ein und ziehen los zu Oxfam.
Danach mache ich noch einen Abstecher: der himmelblaue Mantel ist noch da und ich habe ja jetzt wieder Platz im Kleiderschrank…

Oxfam – Shops
Kleiderkammern in Hamburg

Bildquelle

 

Braintree bei Marlowe nature – green fashion

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